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Kommentar: Mit Funk und Satellit gegen Breitband-Lücken in Brandenburg  

 

26.06.2009

Wenn Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) mit den Worten zitiert wird "Breitbandanbindung ist heute Teil der Infrastruktur wie Straße oder Stromleitung. Schnelles Internet ist für die Menschen unverzichtbar..."(1) bedeutet das zweierlei: 1. Es sind bald Wahlen und 2. Die Botschaft scheint angekommen zu sein - Breitbandinternet ist kein Luxus sondern tatsächlich eine unverzichtbare Voraussetzung zur aktiven Teilnahme am Wirtschafts- und Gesellschaftsleben eines modernen Industrielandes.


Das auf Brandenburg auf Grund seiner geringen Bevölkerungsdichte eine besondere Herausforderung zukommt ist einleuchtend. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass jede Technologie willkommen ist, die sich zur Breitbandversorgung auf dem sprichwörtlichen flachen Lande eignet. Die sogenannte "Digitale Dividende", ein Fachbegriff für die durch die Abschaltung des analogen Fernsehens frei gewordenen Frequenzen, ist dabei schon länger ein Objekt der Begehrlichkeiten.

Diese Frequenzen bieten den Vorteil, dass sich Signale auch in ungünstigen Empfangslagen und in großer Entfernung vom Sender noch relativ gut empfangen lassen. Diese Eigenschaft, die früher den flächendeckenden analogen Fernsehempfang ermöglichte, soll nun Breitbandinternet auch auf dem entlegensten Bauernhof ermöglichen. Mit der Realisierung dieses Projekts wurde laut (2) die Funkwerk Dabendorf GmbH beauftragt.

Obwohl prinzipiell jede Lösung, die die Breitband-Situation in ländlichen Gebieten verbessert und zu einem Wettbewerb der Anbieter beiträgt zu begrüßen ist, sei jedoch vor allzu großer Euphorie gewarnt. Die Funklösungen zu Grunde liegende Kosten-Nutzen-Rechnung ist folgende: Durch höhere Reichweiten ergeben sich größere Funkzellen - mit einem Standort für einen Funkmast lässt sich eine vergleichsweise große Fläche abdecken. Diese ist bei den hier genutzten Frequenzen um ein Vielfaches größer als beispielsweise bei UMTS oder WiMAX. Genau wie bei UMTS oder WiMAX ist jedoch die allen Teilnehmern gemeinsam zur Verfügung stehende Bandbreite begrenzt. Je mehr aktive Nutzer sich in einer Funkzelle befinden, umso weniger Bandbreite bleibt für den Einzelnen. Und: Funklösungen werden erfahrungsgemäß dort zuerst realisiert, wo man möglichst viele Nutzer auf Grund fehlender Alternativen erreichen kann. Mit in absehbarer Zeit am Markt erhältlichen Funktechnologien sind unter Beachtung von Wirtschaftlichkeitsaspekten voraussichtlich Bandbreiten realisierbar die einem durchschnittlichem DSL-Anschluss entsprechen.

Für die Betroffenen mag das zunächst nach Erlösung von Modem und ISDN klingen. Dabei ist aber zu bedenken, dass bis zur Einführung der neuen Technik noch einige Zeit ins Land gehen wird, der Bandbreitenbedarf auf Grund neuer Anwendungsfelder (z. B. Internet-Fernsehen) jedoch ständig wächst. Brandenburg wird also übermorgen eine Lösung für die Bandbreitenengpässe von heute haben.
Hinzu kommt ein zweites Problem: Längere Signallaufzeiten, oft auch als Ping-Zeiten bezeichnet. Damit ist vereinfach gesagt die Zeit gemeint, die vom Anklicken eines Links bis zum Ladebeginn der aufgerufenen Web-Seite vergeht. Wenn diese Verzögerung beim normalen Surfen vielleicht nur wenig stört, sind lange Ping-Zeiten für Online-Spieler ein KO-Kriterium. Jedoch nicht nur das Freizeitvergnügen leidet. Viele moderne Internetseiten, so z. B. Google Mail, lassen sich nur dann flüssig benutzen, wenn die Signallaufzeiten kurz sind. Und auch Internettelefonie wird durch niedrige Ping-Zeiten erst alltagstauglich. Für die Zukunft ist damit zu rechnen, dass kurze Ping-Zeiten ein wichtiges Qualitätsmerkmal einer leistungsfähigen Internetanbindung darstellen.

Dieses Problem ist auch eine der Ursachen für die mangelnde Akzeptanz einer weiteren Alternative, die fast mantrahaft bemühte wird um die Breitband-Misere in Deutschland kleinzureden. Internet per Satellit heißt es, sei doch schließlich flächendeckend verfügbar - wozu also die ganze Aufregung? Sieht man von den deutlich höheren Kosten sowie den üblichen Hürden beim Anbringen einer Sat-Schüssel in Mietwohnungen einmal ab, so entpuppen sich die drastisch höheren Signallaufzeiten als oft unterschätztes Problem.

Kabelgebunde DSL-Anschlüsse erreichen problemlos eine Ping-Zeit von 20-40ms, bei terrestrischen Funklösungen (UMTS, WiMAX) sind, je nach Technik, 80-300ms realistisch. Bei einer Zweiwege-Sat-Verbindung führt allein die große Höhe geostationärer Satelliten zu Ping-Zeiten von mindestens 480ms. Diese durch die Lichtgeschwindigkeit gesetzte Grenze kann durch keine bekannte oder auch nur annähernd absehbare Technologie nach unten verschoben werden. In der Praxis sind 500-600ms ein realistischer Wert.

Aus diesen beiden Gründen, der begrenzten Bandbreite und den höheren Signallaufzeiten, können funkgestützte Internetzugänge nur Ergänzung zu kabelgebunden Lösungen darstellen. Diese Ergänzung ist sinnvoll, notwendig und außerordentlich wertvoll für innovative Internetanwendungen, die wir in Zukunft unterwegs benutzen werden. Allerdings können Funklösungen allein kein dauerhaftes und zukunftssicheres Rückgrat einer leistungsfähigen Breitbandinfrastruktur bilden.

(1) Brandenburg und Eutelsat kooperieren bei Initiative zur Versorgung von Haushalten mit Breitband via Satellit. Niederlausitz aktuell vom 26.06.2009

(2) Platzeck will flächendeckenden Breitband-Zugang bis Ende 2009. BerlinOnline vom 26.06.2009

NH