WIK-Studie zu Kosten des Breitbandausbaus
05.02.2010
Eine Studie des Wissenschaftlichen Instituts für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK) hat den Breitbandausbau, dessen Kosten und die angewandten Finanzierungsmodelle in elf Ländern untersucht. Zudem erfolgte eine Abschätzung der Kosten eines Vollausbaus für Deutschland.
Generell haben sich viele Länder deutliche ehrgeizigere Ziele als Deutschland gesteckt und Investitionen zwischen 41 Mrd. Euro und 120 Mrd. Euro für den Ausbau vorgesehen. Untersucht wurde neben Deutschland eine große Bandbreite unterschiedlicher Länder. Dazu gehören Australien, Finnland, Griechenland, Großbritannien, Japan, Neuseeland, Schweden, Singapur, Südkorea und die USA. Der Schwerpunkt der Studie lag auf drei Aspekten:
- Analyse und Gegenüberstellung von nationalen Breitbandprogrammen
- Evaluation vorliegender Kostenstudien
- Ermittlung des Investitionsbedarfs für einen flächendeckenden Breitbandausbau in Deutschland.
Eine besonders hohe Breitband-Abdeckung planen Australien und Singapur: Mit 100 Mbit/s
und einer Abdeckung mehr als 90 % belegen sie die Spitzenplätze. Neuseeland, Finnland und Griechenland legen die Messlatte mit 100 Mbit/s ebenfalls hoch, wobei Neuseeland eine Abdeckung von 75 % erreichen will, Griechenland aber nur 40%. Finnland möchte 99% aller festen Unternehmens- und Wohnsitze versorgen. Wert auf Geschwindigkeit legt Südkorea und nimmt 1 Gbit/s ins Visier. Mit 14 Mio. Nutzern soll ein Abdeckungsgrad von 84 % erreicht werden.
Dagegen nehmen sich Deutschlands Ziele eher bescheiden aus. 50 Mbit/s und ein Abdeckungsgrad von 75% sind nicht unbedingt das, was man von einer innovativen und modernen Industrienation erwartet. Um abzuschätzen, was ein flächendeckender Ausbau kosten würde, stellt die Studie eine "Next Generation Access"-Rechnung auf. Der geschätzte Investitionsbedarf für den deutschen Breitbandausbau liegt bei 41 Mrd. Euro für ein FTTC/VDSL-Netz. Ein leistungsfähigeres FTTH/P2P-Netz würde stolze 117,6 Mrd. Euro kosten. Diese Angaben bieten jedoch nur einen Richtwert, da die Nutzung von Leerrohren und bisher ungenutzten Glasfaserkabeln nicht berücksichtigt wurde. Daher sei der tatsächliche Investitionsaufwand vermutlich wesentlich geringer.

